Autorin: Nancy, PANews
Die Tokenisierung hat sich rasant vom Konzept zur Praxis entwickelt und ist heute ein fester Begriff im globalen Finanzwesen. Sowohl kryptonative Unternehmen als auch traditionelle Finanzriesen stellen sich dieselbe Frage: Wie lassen sich Real-World Assets (RWA) regulierungskonform digitalisieren, auf die Blockchain bringen und global verfügbar machen? Das Spektrum tokenisierbarer Vermögenswerte – von Staatsanleihen und Immobilien bis hin zu Rohstoffen und Wechseln – wächst stetig, während regulatorische Rahmenbedingungen schrittweise Experimentierräume eröffnen. Diese Welle der On-Chain-Vermögenswerte spiegelt letztlich eine tiefgreifende globale Nachfrage nach mehr Effizienz, Transparenz und Rund-um-die-Uhr-Liquidität in den Kapitalmärkten wider.
Vor diesem Hintergrund positioniert sich Libeara – eine von SC Ventures, der Innovationsabteilung der Standard Chartered Bank, gegründete Plattform – als ein regulierungskonformer, institutionell ausgerichteter Tokenisierungsakteur. Im Gegensatz zu vielen traditionellen Finanzinstituten, die sich noch in einer experimentellen Pilotphase befinden, hat Libeara bereits durch konkrete Projekte praktische Geschäftserfahrung gesammelt. Zugleich unterscheidet es sich von manchen kryptonativen Institutionen, deren technologiegetriebene, risikoreiche Experimente oft der regulatorischen Absicherung vorauseilen: Libeara legt besonderen Wert auf Compliance, Sicherheit und institutionelle Anschlussfähigkeit.
RWA in der Beschleunigungsphase: Drei Produkte ebnen den Weg für traditionelle Vermögenswerte auf der Blockchain

Der Trend, RWA auf die Blockchain zu verlagern, gewinnt zunehmend an Fahrt und dringt in Mainstream-Märkte vor. Laut aktuellen Daten von RWA.xyz hat der weltweite Gesamtwert der auf Blockchains abgebildeten RWA-Mittel inzwischen die Marke von 25,5 Milliarden US-Dollar überschritten; seit Jahresbeginn ist dieser Wert um knapp 56 % gestiegen. Das Spektrum reicht von US-Staatsanleihen über Immobilien und Private Credit bis hin zu Rohstoffen und Aktien. Dieser Trend zeigt deutlich, dass On-Chain-Finanzprodukte längst nicht mehr nur ein Experimentierfeld für Krypto-Assets sind: Die traditionellen Finanzmärkte verlangen zunehmend nach einer effizienteren, transparenteren, programmierbaren und komponierbaren Finanzinfrastruktur.
Noch immer stützen sich Emission und Verwahrung traditioneller Finanzinstrumente stark auf zentralisierte Institutionen. Zwar bietet dies Vorteile bei Compliance und Sicherheit, doch gehen damit komplexe und langwierige Emissionsprozesse, hohe Markteintrittsbarrieren, hohe Kosten und erhebliche Datenisolationsprobleme einher. Um diese Schwachstellen zu adressieren, bietet Libeara mit seinen drei Kernprodukten Bravo, Delta und Tango hochkompatible und effiziente Lösungen für die On-Chain-Emission und -Verwaltung von Vermögenswerten – speziell für Anleihen, Fonds und Wertpapiere – und beschleunigt so die praktische Umsetzung der Tokenisierung traditioneller Vermögenswerte.
Bravo: Native Tokenisierung von Staatsanleihen und -papieren
Bravo ist eine innovative Asset-Tokenisierungsplattform, die speziell für nationale Finanzinstitutionen konzipiert wurde. Sie ermöglicht die native Emission, den Handel und die Verwaltung von Staatsanleihen und Souveränschulden direkt auf der Blockchain und steigert so die Inklusivität, Transparenz und Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems.
Traditionelle Souveränschulden sind laut offiziellen Angaben oft mit hohen Mindestinvestitionssummen und komplexen Prozessen verbunden und richten sich fast ausschließlich an institutionelle Anleger, wodurch Privatpersonen weitgehend ausgeschlossen bleiben. Bravo beseitigt diese Marktzugangshürden, indem es kleine Stückelungen unterstützt und On-Chain-Wallets nutzt – und demokratisiert so den Zugang zu Schuldtiteln. Herkömmliche Anleihen durchlaufen zudem zahlreiche Zwischeninstanzen (wie Emissionsbanken, Depotbanken, Börsen und Clearingstellen), was zu ineffizienten und umständlichen Prozessen führt. Bravo ermöglicht es Regierungen hingegen, Anleihen direkt auf der Blockchain zu emittieren, in Umlauf zu bringen und zurückzuzahlen – vollautomatisiert über Smart Contracts. Sämtliche Prozessdaten sind dabei nachvollziehbar und überprüfbar.
Darüber hinaus sind Entwicklungs- und Schwellenländer bei ihrer Finanzierung stark auf Dollar-Schulden angewiesen. Bei einer Abwertung der eigenen Landeswährung steigt der Rückzahlungsdruck sprunghaft an – ein klassisches Währungsrisiko („currency mismatch“). Bravo unterstützt die native Tokenisierung von Anleihen in Landeswährung, was die strategische Autonomie und Risikoresistenz von Regierungen erhöht und zugleich ihre Kreditwürdigkeit stärkt.
Zudem bietet die Bravo-Plattform flexible Gestaltungsmöglichkeiten für Schuldtitel. Traditionelle Staatsanleihen weisen meist eine starre Struktur auf und können den zunehmend vielfältigen Kapitalbedürfnissen und politischen Zielen kaum gerecht werden. Bravo hingegen unterstützt programmierbare Schuldtitel – wie inflationsindexierte Wertpapiere, verzögert aktivierbare Anleihen, Lotterieanleihen oder Geburtsrechtsanleihen – und ermöglicht so, dass Schuldtitel sozialpolitische Ziele und die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen erfüllen.
Noch wichtiger ist, dass traditionelle Schuldtitelstrukturen mehrere Instanzen involvieren – wodurch Risiken durch Zwischenhändler, operative Fehler oder Insolvenzen entstehen können, die Anleger am Erhalt ihrer Forderungen hindern oder zu Verlusten führen. Bravo setzt stattdessen auf ein natives On-Chain-Haltemodell: Das Vermögen gehört unmittelbar dem Anleger – ohne Risiko durch Zwischenhändler oder Single Points of Failure. Zugleich gewährleistet die Transparenz und Überprüfbarkeit der Daten eine deutlich höhere Systemresilienz.
Delta: Tokenisierungsdienstleistungen für regulierte Fondsmanager
Delta ermöglicht es regulierten Fondsmanagern, Anteile on-chain zu emittieren und zu verwalten, und unterstützt die Tokenisierung von Fondsanlagen in beliebigen Stückelungen – was die Investitionsschwelle deutlich senkt. Durch die Tokenisierung können diese Anteile frei zwischen qualifizierten, regelkonformen Anlegern transferiert werden, wodurch die Liquiditätsengpässe traditioneller Fondsinvestments effektiv überwunden werden. Die Plattform unterstützt mehrere Vermögensklassen und grenzüberschreitende Fondsverwaltung und erfüllt so die Anforderungen diversifizierter Portfolios. Anleger können über die Delta-Plattform bequem Anteile zeichnen, zurückgeben und übertragen – was die Nutzerfreundlichkeit und Betriebseffizienz erheblich steigert.
Delta wurde offiziell über eine institutionelle Anwendung und Plattform eingeführt, die Libeara für den lizenzierten singapurischen Fondsmanager FundBridge Capital entwickelt hat – und bietet damit institutionelle Sicherheits- und Compliance-Standards. Delta verbindet somit traditionelle Finanzmärkte (TradFi) und DeFi und erfüllt die unterschiedlichen Anforderungen sowohl kryptobasierter als auch traditioneller Anleger.
Tango: Universelle Plattform für die Emission von Security Tokens
Tango ist eine universelle Plattform für die Emission von Security Tokens, die mehrere Vermögensklassen unterstützt – darunter Wertpapiere, Rohstoffe und Medieninhalte. Die Plattform ist mit mehreren Blockchain-Netzwerken kompatibel, um technische Interoperabilität und Flexibilität zu gewährleisten und unterschiedlichen Marktbedürfnissen gerecht zu werden. Darüber hinaus integriert Tango KYC- und AML-Funktionen sowie bankenübliche Technologien, interne Kontrollsysteme (ICS), Risikomanagement- und Compliance-Standards – um sicherzustellen, dass sämtliche Tokenisierungsprojekte bei Emission und Handel regulatorischen und rechtlichen Anforderungen entsprechen.
Eintritt in die Praxisphase: Tokenisierungsgeschäfte laufen seit Jahren
Im Vergleich zu vielen anderen Akteuren im RWA-Bereich, die sich noch in der Erkundungs- und Testphase befinden, treibt Libeara die Tokenisierung aktiv von der Theorie in die Praxis. Durch flexible Anpassung an die regulatorischen und marktspezifischen Anforderungen verschiedener Länder und Institutionen wurde Libeara bereits in nationalen Projekten in Singapur, Hongkong, Ghana und den Philippinen praktisch erprobt und weiterentwickelt – mit Einsatzmöglichkeiten für öffentliche und private Emissionen, Souveränschulden sowie Zentralbank-Digitalwährungen (CBDC). Damit liefert Libeara für globale Märkte ein nachvollziehbares und reproduzierbares technisches Modell.
So wurde beispielsweise der ULTRA-Fonds gemeinsam von Libeara, FundBridge Capital und Wellington Management für qualifizierte und institutionelle Anleger als tokenisierter US-Treasuries-Kurzfristfonds lanciert – und zählt zu den weltweit höchstratingten tokenisierten US-Staatsanleihenfonds mit Bewertungen wie S&P AA+f und Particula AA+. Kürzlich gaben zudem die Plattform für den Zugang zu Blockchain-Kapital Theo sowie die RWA-Börse DigiFT ihre Zusammenarbeit mit Libeara bekannt, um den Zugang zum ULTRA-Fonds zu erweitern.
Libeara kooperierte außerdem erfolgreich mit dem führenden chinesischen Publikumsfondsmanager China Asset Management (Hong Kong), um den ersten Retail-Tokenisierungsfonds Chinas – den China AM HKD Digital Currency Fund – auf den Markt zu bringen. Dieser Fonds ist der erste von der Hong Kong Securities and Futures Commission (SFC) genehmigte tokenisierte Fonds für Privatanleger und bietet mittels Libeara-basierter Tokenisierung ein innovatives Anlageinstrument, um über Blockchain-basierte Kanäle Erträge in Hongkong-Dollar zu generieren.
Bereits 2023 erreichte Libeara das Finale des CBDC-Hackathons der Bank of Ghana. Dabei entwickelte das Team ein Prototypsystem, das die Zeichnung ghanaischer Staatsanleihen und -papiere mittels CBDC ermöglichte und die Tokenisierung sowie Abwicklung ghanaischer Staatsanleihen on-chain realisierte. Dieses Projekt war nicht nur ein technischer Machbarkeitsnachweis, sondern lieferte zugleich einen praktikablen Ansatz für die digitale Transformation der Staatsfinanzen in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Darüber hinaus ist Libearas Tokenisierungstechnologie bereits in mehrere nationale Finanzinfrastrukturprojekte eingebunden. So war das Unternehmen 2024 aktiv am „Project Ensemble“ der Hongkonger Währungsbehörde (HKMA) beteiligt, einem Großhandels-CBDC-Projekt (wCBDC) zur Förderung eines tokenisierten Marktes in Hongkong. Gemeinsam mit der Mox Bank und Mastercard erarbeitete Libeara eine Machbarkeitsstudie, die Anwendungsfälle für die Abwicklung tokenisierter Einlagen und Vermögenswerte untersuchte und so konkrete Beispiele für die wCBDC-Infrastruktur der HKMA lieferte. Bereits 2020 setzte Libeara mit der UnionBank of the Philippines das erste tokenisierte Retail-Anleiheprojekt des Landes um: Auf einer Public Blockchain wurden Retail-Anleihen im Wert von 9 Milliarden Philippinischen Peso (ca. 187 Millionen US-Dollar) platziert. Zudem ist Libeara am „Project Genesis“ beteiligt, einer Initiative für grüne Finanzen, die von der HKMA und dem Innovationszentrum der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) gestartet wurde. Das Projekt erforscht den Einsatz der Blockchain-Technologie zur Tokenisierung grüner Anleihen, um die Emissions-Effizienz zu steigern, Investitionshürden zu senken und die Transparenz grüner Investments zu erhöhen. Als technischer Partner war Libeara am ersten experimentellen Tokenisierungsprojekt beteiligt, das die Grundlage für die heutige Systemarchitektur bildete.
Erfahrenes Kernteam strebt nach einem „supersicheren Fahrzeug“ für RWA
Der Name „Libeara“ setzt sich aus „Liberty“ (in Anlehnung an die ersten US-Retail-Staatsanleihen, die „Liberty Bonds“) und „Aerarium“ (dem antiken römischen Staatsfonds) zusammen. Das Fintech-Unternehmen wurde im Januar 2023 mit Sitz in Singapur gegründet und entstammt dem Innovations- und Inkubationsprogramm SC Ventures der Standard Chartered Bank. Libearas Mission ist es, mithilfe der Blockchain-Technologie die Tokenisierung von Staatsanleihen und Fonds voranzutreiben, um Reibungsverluste und Barrieren traditioneller Kapitalmärkte abzubauen und bisher schwer zugängliche Anlageklassen zu erschließen.
Das Kernteam von Libeara vereint führende Köpfe aus den Bereichen traditionelle Finanzdienstleistungen, Blockchain-Technologie sowie Regulierung und Compliance. Gründer und CEO Aaron Y. Gwak blickt auf über 20 Jahre Kapitalmarkterfahrung zurück und hat für Staaten, Unternehmen und Finanzinstitute Anleihefinanzierungen im Volumen von über 180 Milliarden US-Dollar strukturiert und umgesetzt. Diese Praxis gibt ihm tiefe Einblicke in die Ineffizienzen und Schwachstellen traditioneller Finanzmärkte – insbesondere die Vielzahl an Intermediären, hohen Zugangshürden für Investoren und eingeschränkte Liquidität. Diese Erfahrungen bilden die Grundlage für Libeara und ermöglichen es dem Unternehmen, einen Ausgleich zwischen technologischer Innovation und finanzieller Sicherheit zu finden, um dem Markt Lösungen anzubieten, die sowohl effizient als auch vertrauenswürdig sind.
In einem öffentlichen Interview erläuterte Aaron: „Tokenisierte Fonds und Anleihen involvieren eine Vielzahl von Zwischenhändlern, was zu hohen Einstiegshürden und eingeschränktem Zugang für Anleger führt. Die Tokenisierung vereinfacht nicht nur diese ineffizienten Prozesse, sondern definiert auch die Interaktion zwischen Investoren und Vermögenswerten neu. Durch die Blockchain-Technologie verbessert Libeara die Übertragbarkeit dieser Anlagen, sodass sie direkt von Investor zu Investor transferiert werden können – was die Flexibilität erheblich erhöht. Dadurch eröffnen sich neue Anwendungsmöglichkeiten, wie eine verbesserte Liquidität oder ein erweiterter Kreis potenzieller Anleger.“
Er betont, dass nicht alle Tokenisierungsprojekte gleichermaßen sicher sind. Viele frühere Vorhaben hätten lediglich digitale Abbilder von Vermögenswerten auf die Blockchain übertragen, ohne grundlegende Anlegerschutzmaßnahmen zu berücksichtigen – und damit unnötige Risiken geschaffen. Libearas Ziel sei es, ein „supersicheres Fahrzeug“ zu entwickeln, das sicher auf der digitalen Autobahn der modernen Finanzwelt unterwegs ist.
Libeara spricht eine neue Art von Anlegern an: solche, die über Krypto-Vermögen verfügen, aber gleichzeitig in traditionelle Kapitalmärkte investieren möchten. Aaron weist darauf hin, dass die breite Akzeptanz der Blockchain im traditionellen Finanzsektor noch immer an einem mangelnden Verständnis scheitert: Viele Menschen verbinden Blockchain nach wie vor mit hochvolatilen Kryptowährungen und unregulierten Märkten, statt mit stabilen, regulierten Vermögenswerten wie Staatsanleihen. Um dieses Bild zu ändern, brauche es nicht nur fortschrittliche Technologie, sondern auch einen robusten Compliance-Rahmen, der belegt, dass Blockchain-Technologie seriöse, regulierte Finanzprodukte unterstützen kann.
Seine Prognose: Die Entscheidungsgewalt über die Vermögensallokation wird zunehmend von großen Finanzinstituten auf Privatpersonen übergehen. Die Tokenisierung wird dabei eine Schlüsselrolle spielen: Sie bewahrt die Stabilität und Struktur traditioneller Finanzmärkte, erfüllt aber zugleich die heutigen Anlegerbedürfnisse nach Flexibilität und Eigenverantwortung.
