Am 27. August 2025 fand in Hongkong die Fachkonferenz „RWAs, Stablecoins und Coin-Stock-Verknüpfung: Innovation im Einklang mit der Regulierung“ statt, veranstaltet von 1783DAO, BroadChain und HashKey. Die Veranstaltung versammelte führende Vertreter von Börsen, börsennotierten Unternehmen, Wertpapierhäusern, Public Chains und Investmentfirmen. Gemeinsam diskutierten sie, wie die drei Themenbereiche RWAs, Stablecoins und „Coin-Stock-Verknüpfung“ unter einem regulierungskonformen Rahmen die tiefgreifende Integration traditioneller Finanzmärkte mit Web3 vorantreiben können.
Michael Chin, HashKey Exchange: Drei Wege zur Integration – RWAs, Stablecoins und Coin-Stock-Verknüpfung
In seiner Eröffnungs-Keynote mit dem Titel „Drei Integrationswege zwischen traditionellen Finanzen und Web3“ gab Michael Chin, Director of Institutional Business Development bei HashKey Exchange, einen systematischen Überblick über die logischen Grundlagen dieser neuen finanziellen Verflechtung.

Erstens: RWAs – ein bidirektionaler Kapitalfluss.
Er wies darauf hin, dass die meisten RWA-Produkte derzeit auf Anleihen oder Fonds basieren und im Kern eine „Blockchain-Migration“ traditioneller Finanzprodukte darstellen. Diese Migration ist jedoch keine bloße Verpackung. Durch Tokenisierung verändern sich die Investitionswege grundlegend: Traditionelle Anleger erhalten Zugang zu Web3, während Web3-Investoren über RWAs traditionelle Vermögenswerte in ihr Portfolio aufnehmen können. Der eigentliche Mehrwert liege darin, „einen bidirektionalen Investitionskanal zwischen Web2 und Web3 zu schaffen“.
Zweitens: Stablecoins – eine Effizienzrevolution im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr.
Michael betonte, dass der eigentliche Durchbruch von Stablecoins im Zahlungsverkehr liege. Während traditionelle SWIFT-Überweisungen zwei bis sieben Tage dauern, können Stablecoin-Transaktionen innerhalb weniger Stunden abgewickelt werden – bei Kosten von nur einem Bruchteil der herkömmlichen Gebühren. Insbesondere in Südostasien und Südamerika sei USDT bereits zur bevorzugten Zahlungsmethode für grenzüberschreitende Transaktionen kleiner und mittlerer Unternehmen geworden. Als Beispiel nannte er die Beantragung einer Stablecoin-Lizenz durch JD.com. Das Engagement solcher Großunternehmen deute darauf hin, dass Stablecoins künftig als grundlegende Zahlungsinstrumente in internationalen Lieferketten fungieren werden.
Drittens: Coin-Stock-Verknüpfung – Die Anerkennung von Krypto-Assets durch die Kapitalmärkte.
Seiner Ansicht nach nehmen immer mehr börsennotierte Unternehmen Bitcoin und Ethereum aktiv in ihre Bilanzen auf. Sie betrachten sie nicht länger als „spekulative Vermögenswerte“, sondern als strategische Reserven. Dieser Trend spiegelt nicht nur eine Risikoabsicherungsstrategie wider, sondern signalisiert auch, dass die Kapitalmärkte Krypto-Assets zunehmend als seriöse Anlageklasse anerkennen – vergleichbar mit Aktien oder Anleihen.
Michael resümierte: „RWAs, Stablecoins und Coin-Stock-Verknüpfung bilden gemeinsam die drei zentralen Integrationswege zwischen traditionellen Finanzen und Web3. In einem Markt wie Hongkong, der besonderen Wert auf Regulierungskonformität legt, werden diese Trends eine tiefgreifende strukturelle Transformation des Finanzsystems bewirken.“
Callan Sarre, Threshold Labs: tBTC und eine neue Phase der Bitcoin-Wirtschaft
Callan Sarre, Mitbegründer und Chief Product Officer von Threshold Labs, richtete den Fokus auf die Evolution der Bitcoin-Wirtschaft und die Rolle von tBTC in dieser Entwicklung.

Die Realität von Bitcoin: Vom „Peer-to-Peer-Bargeld“ zum „digitalen Gold“.
Callan wies darauf hin, dass Bitcoin aufgrund seiner Preisschwankungen und festen Gesamtmenge besser als Wertaufbewahrungsmittel denn als Zahlungsmittel geeignet sei. Es habe sich zunehmend zu einem globalen „digitalen Gold“ entwickelt, dessen Bedeutung in institutionellen und unternehmerischen Finanzreserven kontinuierlich steige.
Der Wert von tBTC: Bitcoin in DeFi integrieren.
Er erläuterte das tBTC-Mechanismusmodell: eine 1:1-Anbindung an Bitcoin, vollständige Chain-Validierung und transparente Nachweise über die Reserven. tBTC sei bereits auf über zehn führenden Blockchains wie Ethereum, Arbitrum, Polygon und Base verfügbar. Seine Einsatzgebiete reichten von Kreditvergabe und Stablecoin-Emission bis hin zu Perpetual Contracts. Das Total Value Locked (TVL) liege bereits über 700 Millionen US-Dollar, das kumulierte Handelsvolumen betrage insgesamt 3,8 Milliarden US-Dollar.
Callan betonte: „tBTC ist nicht nur eine Brücke – es ist die primäre Form, in der Bitcoin in das DeFi-Ökosystem eintreten kann.“
Ausblick: Von Cross-Chain-Interoperabilität zur institutionellen Akzeptanz.
Er prognostizierte, dass Institutionen bis 2026 direkt am tBTC-Ökosystem teilnehmen und blockchain-basierte Erträge generieren könnten. Damit würde Bitcoin nicht nur ein „Wertaufbewahrungsmittel“, sondern auch die „letzte Abrechnungsschicht“ und der „Kern der Liquidität“ auf den Finanzmärkten werden.
Stablecoin-Rundtischgespräch: Hongkongs regulatorisches Experimentierfeld und die Internationalisierung des Renminbi
In der ersten Rundtischdiskussion diskutierten Paolo Chen, Ökosystem-Partner bei Victory Securities und Chief Strategic Officer bei VDX; Luo Daqi, COO von Circle Tech; Forgiven, Mitbegründer und COO von Conflux; sowie Cai Quan, Gründungs-Co-Vorsitzender der Hong Kong Blockchain Association und Berater des Beijing Blockchain and Financial Innovation Laboratory, intensiv über Hongkongs „Stablecoin Ordinance“, den US-amerikanischen GENIUS Act sowie die Internationalisierung des Renminbi. Moderiert wurde das Gespräch von Jasmine, einer Analystin einer internationalen Investmentbank.

Paolo Chen vertrat die Ansicht, dass das US-Modell Geschwindigkeit und Skalierung priorisiere, um die Dollar-Hegemonie fortzusetzen. Hongkong hingegen betone „steuerbare institutionelle Rahmenbedingungen“ und „risikobegrenzte Kontrolle“, um einen internationalen Geschäfts- und Handelsstandort auf der Blockchain aufzubauen.
Luo Daqi stellte die Erfahrungen seines Unternehmens Circle Tech mit dem Sandbox-Testprogramm vor. Er sagte unumwunden: „KYC/AML stellt eine unvermeidbare, harte regulatorische Grenze für die Branche dar. Obwohl die strenge Regulierung in Hongkong Innovation erschwert, ist dies die unausweichliche Wahl eines internationalen Finanzzentrums.“
Forgiven wies darauf hin, dass Hongkong als Versuchsfeld für Renminbi-basierte Stablecoins fungieren könnte. Gerade im Bereich grenzüberschreitender Zahlungen – insbesondere im Zusammenhang mit der „Belt and Road“-Initiative – könnten Renminbi-Stablecoins im Rahmen eines regulierungskonformen Rahmens die Liquidität verbessern und Sanktionsbarrieren überwinden.
Cai Quan betonte, dass die Definition von Stablecoins in Hongkongs Verordnung äußerst weit gefasst sei – praktisch alle quantifizierbaren Vermögenswerte könnten als Besicherung dienen. Dies schaffe einen institutionellen Spielraum für Experimente mit RWA-basierten Stablecoins. Er fasste zusammen: „Hongkong ist nicht nur ein lokales Testfeld, sondern vielmehr ein Experimentierfeld für Chinas digitale Finanzwirtschaft.“
RWA-Rundtischgespräch: Kooperationshemmnisse zwischen On-Chain-Emission und Off-Chain-Finanzsystemen
An der zweiten Rundtischdiskussion nahmen Josh Wu, Director bei Matrixdock; Guo Dazhi, Executive Leader bei CDD JAP, CyberPort & DraperDragon Accelerator; Yuyi, Senior BD Manager bei HashKey Chain; Yang Hucheng; Colin Su, Research Partner bei Delta Labs; sowie Bella Xiahe, CMO von Paimon, teil. Das Gespräch konzentrierte sich auf institutionelle und marktbezogene Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung von RWAs und wurde von der „Metaverse Princess“ moderiert.

Josh Wu nannte drei zentrale Herausforderungen für RWAs in Hongkong: unzureichende rechtliche Rahmenbedingungen, die Beschränkung auf professionelle Investoren sowie unvollständige Mechanismen für den Handel und den Rückzug von RWA-Investitionen. Daher müsse Hongkong einen „eigenständigen, chinesischen Weg für RWAs“ beschreiten.
Guo Dazhi betont die jeweiligen Rollen: Broker als Brücke, Fonds für das Produktdesign und Börsen für die Liquiditätsbereitstellung. Auch wenn Hongkong langsamer voranschreitet, sei seine institutionelle Stabilität langfristig betrachtet sogar ein Vorteil.
Yuyi weist darauf hin, dass Hongkong eine Balance zwischen „institutionellen Pilotprojekten“ und „technologischer Innovation“ finden müsse, um zu verhindern, dass übermäßige Regulierung die Marktdynamik erstickt.
Yang Hucheng vertritt die Ansicht, dass RWAs (Real World Assets) wie Immobilien Hebelmechanismen benötigen, um Liquidität zu generieren. Andernfalls bleibe die Tokenisierung von Vermögenswerten lediglich eine „Innovation auf dem Papier“.
Colin Su argumentiert, dass RWAs drei Eigenschaften vereinen müssen: Stabilität (z. B. Staatsanleihen), Überprüfbarkeit (durch transparente Audits) und Wachstumspotenzial (z. B. in erneuerbaren Energien oder Rechenleistung). Fehle eine dieser Säulen, werde es schwer, Investoren zu gewinnen – selbst wenn die Assets auf einer Blockchain abgebildet sind.
Bella Xia He warnt davor, dass selbst das beste RWA-Produkt bei den Investoren kaum Anklang finden wird, wenn Marktbildung und Transparenz fehlen. Ihrer Meinung nach sind Markenaufbau und Aufklärungsarbeit entscheidend für den praktischen Erfolg von RWAs.
Podiumsdiskussion „Krypto-Aktien-Kopplung“: Wie hängen Kryptowährungen und Aktien zusammen? Eine Neubewertung von Vermögenswerten – oder eine Kumulierung von Risiken?
Die abschließende Podiumsdiskussion brachte Kong Jianping, Gründer von Nano Labs und Direktor des Hong Kong Cyberport, Vincent Zhang Huachen, Co-CEO von Guofu Quantum, Thomas Wong Huang Teng, CEO von Fuguo Securities, sowie Austin Liu Jingrong, Gründer und CEO von Opulewin Capital, zusammen. Aus der Perspektive börsennotierter Unternehmen diskutierten sie die Verbindung zwischen Kryptowährungen und Aktien. Moderiert wurde die Runde von der KOL Chen Chen (Sophie).

Kong Jianping wies darauf hin, dass immer mehr börsennotierte Unternehmen Kryptowährungen als strategische Reserven betrachten – ein Trend, der die Bewertungssysteme an den Kapitalmärkten neu gestalten wird.
Vincent Zhang Huachen betonte, dass Hongkong eine eigene, von den USA unterscheidbare Erzählung entwickeln müsse – nicht nur im Bereich der Finanzinnovation, sondern auch als Stütze für die Internationalisierung des Renminbi.
Thomas Wong Huang Teng warnte davor, dass Hongkong auf „schrittweise Innovation“ setzen müsse. Eine vorschnelle, radikale Herangehensweise könne sonst systemische Finanzrisiken auslösen.
Austin Liu Jingrong hob aus der Perspektive eines bidirektionalen Flusses von Kapital und Narrativen die klare Langfristigkeit dieses Trends hervor. Seiner Meinung nach werden sich die Grenzen zwischen Kryptowährungen und Aktien langfristig zwangsläufig auflösen, auch wenn die kurzfristigen Kosten hoch sind.
Hongkongs institutionelles Experiment und die neue globale Finanzordnung
Die vielfältigen Standpunkte dieser Konferenz zeichnen ein klares Bild der künftigen Finanzlandschaft:
RWAs: Institutionelle Innovation und Marktbildung müssen Hand in Hand gehen, um bidirektionale Investitionswege zu schaffen.
Stablecoins: Sie stellen eine Effizienzrevolution im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr dar und sind zugleich ein wichtiges Instrument für die Internationalisierung des Renminbi.
Krypto-Aktien-Kopplung: Die schrittweise Anerkennung von Kryptowährungen durch die Kapitalmärkte führt zu einer Neubewertung der Unternehmensfinanzlogik.
Vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbs zwischen China und den USA im FinTech-Bereich bietet Hongkongs Modell des „vorsichtigen Experimentierens“ einen einzigartigen Weg für die digitale Finanzentwicklung Chinas.
Es ist absehbar, dass Hongkong künftig nicht nur eine Bühne für lokale Innovationen sein wird, sondern sich zu einem zentralen Knotenpunkt für strukturelle Veränderungen im globalen Finanzsystem entwickeln könnte.
