Autor: Xiao Qifan, HashKey Capital Research
Seit 2021 erleben NFTs einen rasanten Anstieg in Marktkapitalisierung und Handelsvolumen. Durch spektakuläre Verkaufspreise und den Einfluss prominenter Persönlichkeiten haben sie es erfolgreich in den Mainstream geschafft. Immer mehr Institutionen, Prominente, IP-Inhaber und Privatanleger strömen in diesen aufstrebenden Markt. Der Wettbewerb im NFT-Bereich steht jedoch erst am Anfang: Während es anfangs vor allem um einzelne Projekte wie Spiele oder Marktplätze ging, rücken nun zunehmend nutzungsorientierte, grundlegende NFT-Infrastrukturen in den Fokus. Einige große Projekte oder IP-Inhaber entwickeln sogar eigene, maßgeschneiderte Blockchains für ihre NFTs – das Ökosystem wird immer ausgereifter. Wir sind der Ansicht, dass die Netzwerküberlastung und hohen Gas-Gebühren auf Ethereum eine breite Skalierung des NFT-Marktes stark behindern. Daher lassen sich die wichtigsten Infrastrukturlösungen grob in drei Kategorien einteilen: erstens andere, besonders NFT-freundliche Layer-1-Blockchains neben Ethereum; zweitens Sidechains; und drittens Layer-2-Lösungen zur Skalierung von Ethereum. Zu den unserer Einschätzung nach für NFTs geeigneten, hochwertigen Public Chains zählen Flow und Near; zu den Sidechains gehören Polygon, xDai und Ronin; und zu den Layer-2-Skalierungslösungen zählt beispielsweise Immutable X.
Infrastrukturprobleme im NFT-Boom
Anhaltender Hype und der Sprung in den Mainstream
Stand 26. April 2021 betrug die Gesamtmarktkapitalisierung von NFTs fast 26 Milliarden US-Dollar. Das Handelsvolumen im ersten Quartal 2021 überstieg 1,5 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um etwa das 26-Fache gegenüber dem Vorquartal. Allein NBA Top Shot, CryptoPunks und OpenSea machten dabei über 70 % aus. Gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen NFT-Verkaufspreise seit Jahresbeginn kontinuierlich. So erzielte das digitale Collage-Werk „Everydays: The First 5000 Days“ des Künstlers Beeple einen Rekordpreis von 69,35 Millionen US-Dollar; der erste Tweet von Twitter-Gründer Jack Dorsey wurde als NFT für 2,9 Millionen US-Dollar versteigert. Dank dieser exorbitanten Preise und des Prominenteneffekts gelang NFTs der Durchbruch in die breite Öffentlichkeit. In der folgenden Tabelle haben wir einige repräsentative NFT-Ereignisse des Jahres 2021 zusammengefasst:
Entwicklung der NFT-Verkaufspreise, Quelle: The Block
Repräsentative NFT-Ereignisse im Jahr 2021, Quelle: Öffentliche Quellen
Hohe Kosten und geringe Leistung: Ethereums Limit für die NFT-Skalierung
Stand 26. April 2021 basieren acht der zehn umsatzstärksten NFT-Projekte auf dem Ethereum-Netzwerk, darunter CryptoPunks, Hashmasks, CryptoKitties, Sorare, Axie Infinity, Art Blocks, MyCryptoHeroes und Gods Unchained. Gleichzeitig ist – wie in der folgenden Abbildung dargestellt – die durchschnittliche Transaktionsgebühr auf Ethereum seit Jahresbeginn deutlich gestiegen: Im Februar lag sie bei durchschnittlich 20 US-Dollar pro Transaktion, im März bei 18 US-Dollar. Obwohl die Gas-Gebühren im April leicht sanken, bleibt das Netzwerk für Hochfrequenzhandel ungeeignet. Die geringe Leistungsfähigkeit von Ethereum zeigt sich im NFT-Bereich konkret in folgenden Punkten:
Hohe Prägegebühren („Minting Fees“): Das Erstellen („Minting“) von NFTs ist komplexer als einfache Transaktionen und verursacht daher hohe Gas-Kosten. Beispielsweise beliefen sich die Gebühren für das Tokenisieren eines Kunstwerks auf OpenSea im Februar oder März auf bis zu 200 US-Dollar; im April lagen sie immer noch bei etwa 100 US-Dollar – oft übersteigen die Prägekosten sogar den Verkaufspreis des NFTs selbst.
Hohe Transaktionsgebühren und langsame Abwicklung: Die meisten auf Ethereum basierenden NFT-Marktplätze verlangen sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf Gas-Gebühren (mit Ausnahme von Nifty Gateway, das Kreditkartenzahlungen ermöglicht). Selbst das Entfernen eines NFTs aus dem Verkauf kann für den Nutzer Gebühren nach sich ziehen. So berechnet beispielsweise die Plattform Mintable eine Gebühr von 2,5 % des Gebotspreises. Zudem ist die Übertragungsgeschwindigkeit auf diesen Plattformen vergleichsweise langsam: Eine Transaktion benötigt oft 3–5 Minuten bis zur Bestätigung.
Schlechte Nutzererfahrung: Im Gaming-Bereich unterscheidet sich die Bewegungsgeschwindigkeit von Spielfiguren deutlich von der Erfahrung in Web-basierten Spielen – die Latenz ist hoch. In manchen Spielen wird sogar für jede einzelne Bewegung eine separate Gas-Gebühr fällig, was die Nutzererfahrung beeinträchtigt und weder die Bindung bestehender noch die Gewinnung neuer Spieler fördert.
Zu hohe Transaktionsgebühren, Netzwerküberlastung und eine mangelhafte Nutzererfahrung sind die Kernprobleme des aktuellen Ethereum-Netzwerks. Dies erschwert es, NFTs – ohnehin ein technisch anspruchsvolles Produkt – einer breiten Masse zugänglich zu machen. Hohe Gebühren stellen für viele Privatanleger eine entscheidende Hürde dar. Zudem unterstützt Ethereum keine Cross-Chain-Funktionalität. Daher ist die Suche nach Lösungen, die Hochfrequenzhandel und einen massentauglichen Markt ermöglichen, eine zentrale strategische Richtung für die NFT-Branche.
Historische Entwicklung der Ethereum-Gas-Gebühren, Quelle: Ychart
Public Chains, Sidechains und Layer 2: Drei alternative Lösungswege
Obwohl Ethereum im DeFi-Bereich bereits klare Vorteile hat, zeigt es im Web3.0-Bereich – insbesondere bei Spielen, sozialen Netzwerken und Medien – keine vergleichbare Dominanz. Dies eröffnet neuen Public Chains, Sidechains und Layer-2-Lösungen attraktive Chancen und Markteintrittspunkte. Insgesamt erwarten wir nicht, dass ein einzelner NFT-Infrastrukturanbieter den gesamten Markt dominieren wird. Stattdessen werden Lösungen mit technologischen Wettbewerbsvorteilen und hochwertigen Ökosystemen besser in der Lage sein, Produkt und Markt optimal aufeinander abzustimmen – und somit größere Chancen haben, sich als führende NFT-Infrastrukturprojekte zu etablieren.
Public Chains
FLOW
Entwickelt vom Team hinter CryptoKitties, Dapper Labs
Flow ist eine neuartige Layer-1-Blockchain, die vom Team hinter CryptoKitties, Dapper Labs, entwickelt wurde. Der CTO des Teams war maßgeblich an der Schaffung des ERC-721-Token-Standards beteiligt, der heute als Grundlage für NFTs dient. Dapper Labs besteht aus einer Gruppe von Spieleentwicklern, die bereits vor ihrem Einstieg in die Blockchain-Branche mehrere Entwicklerplattformen geschaffen hatten. Nach CryptoKitties konzentrierte sich das Team weiterhin auf NFTs und widmete sich gezielt Herausforderungen wie Skalierbarkeit und Fiat-On-/Off-Ramp-Lösungen – mit dem Ergebnis der eigenständigen Public Chain Flow. Mehrere Teammitglieder stammen aus traditionellen Venture-Capital-Firmen und dem Sportbereich, was Zugang zu umfangreichen Ressourcen ermöglicht. Zudem fördert die klare NFT- und Marktausrichtung des Teams die effiziente Verknüpfung von Kapital und Traffic: Priorität hat dabei stets Nutzbarkeit und Zugang für die Zielgruppe. Die jüngste Bewertung von Dapper Labs liegt bei 7,5 Milliarden US-Dollar. Aktuelle Projekte auf Flow umfassen unter anderem NBA Top Shot, UFC on Flow, die NFT-Handelsplattform VIV3, den Blockchain-Explorer Flowscan sowie das Sammelspiel Dr. Seuss.
Niedrige Inflation und vielfältige Token-Nutzung
Der Flow-Token ist das native Token der Blockchain. Inhaber können ihre Tokens zur Begleichung von Gas-Gebühren, zur Teilnahme an der Community-Governance, zum Handel sowie zum Staking nutzen. Der Flow-Token hat eine feste Obergrenze von 1,25 Milliarden Einheiten, um eine inflationäre Neuausgabe und damit eine Wertminderung zu verhindern. Mit steigender Anzahl an Anwendungen und wachsenden Netzwerkgebühren sinkt die Inflationsrate von Flow. Falls die Netzwerkgebühren geringer ausfallen als die festen Belohnungen für Knotenbetreiber, erfolgt eine Token-Neuausgabe; der Überschuss wird in einem Treuhandkonto gehalten und dient später als Absicherung gegen zukünftige Inflation.
Technischer Vorteil: Spezialisierte Knoten zur Skalierung
Die Skalierung von Flow basiert auf einer Aufteilung der Knotenfunktionen mittels einer Pipeline-Architektur, bei der Berechnung und Konsens getrennt werden. Einzelne Knoten müssen nicht mehr den gesamten Transaktionsprozess – also sowohl Berechnung als auch Validierung – durchführen, sondern übernehmen jeweils nur eine der vier Phasen: Sammlung (Collection), Konsensbildung (Consensus), Ausführung (Execution) oder Validierung (Verification). Alle Knoten müssen Tokens staken; die Belohnungen richten sich nach der Höhe des gestakten Betrags, wobei Flow ein PoS-Konsensverfahren verwendet. Der Ablauf sieht wie folgt aus: Sammelknoten aggregieren Transaktionsdaten und leiten sie an Konsensknoten weiter; diese bestätigen die Gültigkeit der Transaktionen und leiten sie an Ausführungsknoten weiter; diese führen die Berechnungen durch und senden die Ergebnisse an Validierungsknoten zur abschließenden Prüfung. Knotenbetreiber können je nach ihren technischen Fähigkeiten und Ressourcen entscheiden, welche Rolle sie übernehmen möchten – beispielsweise leistungsstarke Knoten als Ausführungsknoten, zahlreiche aber rechenbegrenzte Knoten ausschließlich als Validierungsknoten. So beteiligt sich Samsung an der Ausführungsphase, DCG an Sammlung, Konsensbildung und Validierung, CoinFund ausschließlich an der Konsensbildung. Eine aktuelle Übersicht aller Beteiligten ist auf Flowscan.org abrufbar.
Flow-Knoten-Ablaufdiagramm, Quelle: Flowscan.org
Community-Mitglieder als Flow-Knotenbetreiber, Quelle: Flowscan.org
Darüber hinaus ermöglicht Flow die Skalierung ohne Netzwerkfragmentierung – Entwickler müssen sich nicht um fehlende ACID-Garantien bei Sharding kümmern, sodass Smart Contracts in einer gemeinsamen Umgebung laufen und der Datenaustausch zwischen verschiedenen Verträgen reibungsloser funktioniert. Gleichzeitig reduziert sich die Arbeitslast pro Knoten: Das Netzwerk benötigt keine hochspezialisierten Knoten für komplexe Transaktionen, wodurch kein Kompromiss bei der Dezentralisierung eingegangen werden muss. Die Knotenaufteilungstechnologie von Flow trägt dazu bei, die Transaktionsgeschwindigkeit und Durchsatzrate des gesamten Netzwerks zu erhöhen, die Transaktionskosten zu senken und die Nutzererfahrung für Entwickler und Endnutzer zu verbessern.
Marktvorteil: Starke IP-Partnerschaften
Flow ist vor allem aufgrund der hohen Qualität seiner Ökosystem-Ressourcen zu einer „NFT-Star-Public-Chain“ geworden. Das erfolgreiche Projekt NBA Top Shot hat mittlerweile einen Gesamtumsatz von fast 500 Millionen US-Dollar erreicht – seine Popularität spricht für sich. Der Erfolg von NBA Top Shot beruht maßgeblich auf der starken Marke der NBA. Neben der NBA zählen aktuell auch UFC, die NFL, das Musiklabel Warner Music, renommierte Spieleentwickler wie Animoca und Ubisoft, Samsung sowie die NFT-Plattform OpenSea zu den bedeutenden Partnern von Flow. Top-Sportligen wie NBA, UFC und NFL generieren enorme Umsätze und verfügen über riesige Fanbasen – teilweise mit mehreren hundert Millionen Fans weltweit. So hat allein LeBron James auf Twitter fast 50 Millionen Follower. Diese erstklassigen Entertainment-IPs verleihen Flow im Vergleich zu anderen Public Chains einen deutlichen Vorteil bei der potenziellen Nutzerbasis. Die nachfolgende Abbildung zeigt das Flow-Ökosystem. Außerdem plant Flow die Gründung eines Rates, bestehend aus IP-Inhabern, Entertainment-KOLs und bekannten Spieleentwicklern, um globale Trends im Entertainment-Bereich frühzeitig zu identifizieren. Damit wird Flow künftig noch umfangreichere Unterhaltungsinformationen erhalten und die Entwicklung einer Sammel- und Fan-Ökonomie rund um IP weiter vorantreiben.
Flow-Community, Quelle: Flow
Beteiligung renommierter Investmentfirmen
Die folgende Abbildung zeigt die an Flow beteiligten Investmentfirmen, darunter namhafte Akteure wie a16z, Coinbase Ventures, DCG und USV.
Institutionsliste, Quelle: onflow.org
Near
Mit Sharding zur aufstrebenden NFT-Layer-1-Blockchain
Near Protocol ist eine dezentrale Netzwerkplattform – eine vollständig geshardete, unendlich skalierbare Blockchain, die auf dem Doomslug-Konsensmechanismus basiert. Dank der leistungsstarken Near-EVM liegt die Verarbeitungsgeschwindigkeit mehr als zehnmal höher als bei Ethereum. Die dynamische Sharding-Methode „Nightshade“ hält den Rechenaufwand für Smart Contracts gering: Transaktionen werden in nur 1–2 Sekunden bestätigt, und die durchschnittliche Gas-Gebühr pro Transaktion beträgt weniger als 1 US-Dollar. Die EVM ist bereits im Testnetz verfügbar und soll in den kommenden ein bis zwei Monaten im Mainnet starten. Das Team besteht derzeit aus über 100 Vollzeitmitarbeitern in zehn Ländern. Zu den Investoren von Near zählen namhafte Institutionen wie a16z, Coinbase Ventures, Metastable und Accomplice sowie weitere Business Angels.
Technische Stärken: Sharding-Technologie und Rainbow Bridge
1. Nightshade-Sharding ermöglicht effektive Skalierung
Die Vorteile der Nightshade-Sharding-Technologie lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:
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Shard-Effizienz: Im Gegensatz zu Ethereum 2.0, Polkadot oder Harmony setzt Near nicht auf ein Modell mit separaten Shard-Chains und einer Beacon-Chain, bei dem jede Shard-Chain ihre eigene Fork-Choice durchführen muss. Stattdessen konzentriert sich Near auf eine einzige Hauptkette. Jeder Block dieser Kette wird in mehrere physische Segmente („Chunks“) unterteilt – das Sharding erfolgt also auf Blockebene. Block-Ersteller und Validatoren müssen lediglich die Richtigkeit und den Zustand des jeweiligen Segments überprüfen, an dem sie beteiligt sind. Dadurch verkürzt sich die Blockzeit erheblich, die Shard-Effizienz steigt und die Datenintegrität verbessert sich.
Vergleich zwischen Shard-Chain-Modell und Nightshade-Sharding-Modell, Quelle: Near-Whitepaper
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Shard-Sicherheit: Near weist Validatoren mittels VRF-Zufallszahlen zufällig zu. Die Zuordnung zwischen Validatoren und ihren jeweiligen Shards bleibt geheim; Knoten kennen weder die Identität der Validatoren noch deren Beziehung zu bestimmten Blöcken. Bei der Signatur signiert ein Validator den gesamten Block – nicht nur den von ihm validierten „Chunk“. Dies gewährleistet die Sicherheit der einzelnen Shards.
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Datenzuverlässigkeit: Um die Zuverlässigkeit der Datenübertragung zwischen Knoten zu gewährleisten, teilt jeder Knoten den von ihm erzeugten Block in verschiedene Teile auf und sendet diese an zahlreiche Validatoren. Ein Validator benötigt lediglich einen Teil des Blocks, um den gesamten Block wiederherzustellen. Dies stellt sowohl die Datenzuverlässigkeit als auch eine effiziente Kommunikation über Shard-Grenzen hinweg sicher.
2. Nahtlose Ethereum-Integration über die Rainbow Bridge
Die Rainbow Bridge basiert auf der koordinierten Zusammenarbeit eines Ethereum-Clients und eines Near-Clients. Beide Clients können den Status der jeweils anderen Blockchain lesen, nachverfolgen und entsprechende Aktionen ausführen – ohne Vertrauen in Dritte und ohne Genehmigung. Nach erfolgreicher Überprüfung können Vermögenswerte über eine Relay-Schicht zwischen den beiden Chains transferiert werden. Alle ERC-20-Token können frei zwischen Ethereum und Near übertragen werden. Dies ermöglicht es, das Near-Ökosystem nahtlos auf der etablierten Ethereum-Infrastruktur aufzubauen und bestehende, ausgereifte Finanzinfrastrukturen vollständig zu nutzen. Nutzer können beispielsweise direkt von MetaMask aus ERC-20-Vermögenswerte an Near-Wallets oder dApps senden – und umgekehrt. Auch der Transfer von NFTs ist möglich, und Nutzer können ETH zur Begleichung der Gas-Gebühren verwenden.
Schematische Darstellung der Funktionsweise der Rainbow Bridge, Quelle: Near
NFT-Ökosystem: Der Schwerpunkt liegt auf Marktplätzen
Die derzeitigen NFT-Projekte auf Near sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

Derzeit gibt es auf Near noch relativ wenige NFT-Projekte; abgesehen von Mintbase ist die Nutzerbasis insgesamt noch klein. Die meisten Projekte konzentrieren sich auf NFT-Marktplätze. Die Near-Sharding-Technologie eignet sich hervorragend für Anwendungsfälle mit hohem Transaktionsvolumen – etwa bei NFT-Marktplätzen oder der Massen-Tokenisierung von NFTs. Obwohl das aktuelle NFT-Ökosystem von Near im Vergleich zu Ethereum noch deutlich kleiner ist, erwarten wir dank seiner Skalierungsvorteile und der Vorreiterrolle von Schlüsselprojekten wie Mintbase einen stetigen Zuwachs weiterer NFT-Projekte auf Near. Damit könnte Near zu einer weiteren führenden NFT-Layer-1-Plattform aufsteigen.
Besonderes Projekt: Mintbase
Mintbase ist ein integrierter NFT-Marktplatz auf Basis von Near – vergleichbar mit einer „NFT-Version von Taobao“. Die Plattform bietet Kategorien wie Musik, Gemälde, Kunstwerke, Eintrittskarten, Spiele und VR-Inhalte; Nutzer können zudem nach Shops suchen. Im Vergleich zu anderen NFT-Marktplätzen wie OpenSea legt Mintbase besonderen Wert auf differenzierte, Nischen-NFTs. Derzeit zählt Mintbase über 1.000 Shops und mehr als 10.000 registrierte Nutzer; über 2.000 NFT-Werke wurden bereits verkauft. Das herausragendste Merkmal von Mintbase ist seine Benutzerfreundlichkeit: Künstler, Musiker und allgemeine Nutzer ohne Blockchain-Kenntnisse können ihre Werke kostengünstig und schnell tokenisieren – die Einstiegshürde ist daher sehr niedrig. Auf Ethereum kostet das Prägen einer Eintrittskarte über Mintbase beispielsweise 60–100 US-Dollar; ein Massen-Prägen von Eintrittskarten ist praktisch unmöglich, und selbst das Erstellen eines Shops kostet dort über 100 US-Dollar. Auf Near hingegen beträgt die Gebühr zum Prägen einer Eintrittskarte weniger als 0,01 US-Dollar – praktisch vernachlässigbar. Mintbase hat sich für Near entschieden, unter anderem auch wegen der besseren Integration mit anderen Near-basierten DeFi-Projekten wie Balancer.
Sidechains
Polygon (Matic)
Ein außerordentlich florierendes NFT-Ökosystem
Polygon war ursprünglich als Matic Network bekannt und wurde von drei indischen Mitgliedern der Krypto-Community gegründet. Im Februar 2021 wurde es in „Polygon“ („Vieleck“) umbenannt; das native Token heißt MATIC. Mit der Umbenennung erweitert Polygon sein Angebot neben den bestehenden Plasma-Chains und der Matic PoS-Chain um populäre Skalierungslösungen wie ZK-Rollups und Optimistic Rollups. Obwohl das Ziel weiterhin Skalierung bleibt, fokussiert sich Polygon nun stärker auf den Aufbau eines vielfältigen Ökosystems – statt ausschließlich Plasma-Chains oder Sidechains bereitzustellen.
Seit dem Start des Mainnets im Juni letzten Jahres zählt Polygon mittlerweile über 130 Anwendungen, 270.000 Nutzer und 15 Millionen Transaktionen. Der Großteil der DApps bezieht sich auf NFTs – insbesondere Spiele. Wie unten dargestellt, stiegen die Zahl der täglichen aktiven Adressen und das Transaktionsvolumen von Polygon seit März 2021 deutlich an: Die täglichen aktiven Adressen nahmen gegenüber dem vorangegangenen Quartal um fast 500 % zu, das Transaktionsvolumen stieg um 288 %. Im ersten Quartal 2021 erreichte das Transaktionsvolumen 500 Millionen US-Dollar. Derzeit befinden sich jedoch die meisten Anwendungen auf Polygon noch in einem frühen Entwicklungsstadium: Abgesehen von DEX QuickSwap, dem DeFi+NFT-Spiel Aavegotchi und dem Pferderennspiel ZED RUN haben die meisten anderen DApps weniger als 100 Nutzer. Führende Projekte aus den Bereichen DeFi und NFT – darunter das Kreditvergabe-Protokoll Aave, das Stablecoin-Austauschprotokoll Curve und der Marktplatz OpenSea – haben alle Polygon als ihre bevorzugte Skalierungslösung gewählt.
Transaktionsvolumen und tägliche aktive Adressen von Polygon im Q1 2021, Quelle: DappRadar
Technische Stärken – Vielfältige Skalierungslösungen
Polygon setzt derzeit die bestehenden Lösungen des ehemaligen Matic Network fort, nämlich Plasma-Chains und PoS-Sidechains:
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Matic Plasma Chain: Die Matic Plasma Chain teilt die Sicherheit mit Ethereum; Sicherheit wird durch Betrugsnachweise (Proof of Fraud) oder Validatoren gewährleistet. Innerhalb des Polygon-Ökosystems können verschiedene Protokolle dieselben Validatoren gemeinsam nutzen. Obwohl Plasma-Chains Sicherheit bieten, erfordert der Rücktransfer von Vermögenswerten von der Plasma-Chain auf die Ethereum-Hauptkette üblicherweise eine Sperrfrist von 7–14 Tagen, was Flexibilität und Unabhängigkeit einschränkt und für kleine, häufige Transaktionen weniger geeignet ist. Sie eignen sich daher besser für sicherheitskritische Anwendungen wie DeFi-Protokolle mit hohen Staking-Beträgen.
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Matic PoS Chain: Die PoS-Chain von Polygon ist eine eigenständige Sidechain mit eigener Sicherheits- und Konsensarchitektur. Sie bietet große Unabhängigkeit und Flexibilität, ist aber potenziell anfälliger für Angriffe und damit weniger sicher. Solche Sidechains benötigen zudem eine große Anzahl an Validatoren und eignen sich daher besonders für Projekte mit starkem Ökosystem und aktiver Community. Ein Beispiel wäre ein NFT-Marktplatz mit einer bereits etablierten Community, bei dem hohe Transaktionsgeschwindigkeit und niedrige Kosten Priorität haben und eine moderate Einschränkung der Sicherheit akzeptabel ist – hier wäre eine PoS-Sidechain ideal.
Insgesamt kombiniert Polygon Plasma- und PoS-Technologien, um unter Beibehaltung der Sicherheit von Ethereum durch Sidechains zu skalieren – so werden sowohl Effizienz als auch Sicherheit optimiert. Zusätzlich plant Polygon die Einführung eines SDKs, das Entwicklern erlaubt, mehrere Layer-2-Lösungen gleichzeitig zu nutzen – darunter Optimistic Rollup, ZK-Rollup und Validium. Damit soll ein Layer-2-Aggregator gestartet werden, der hybride Skalierungsansätze nutzt.
NFT-Ökosystem
1. Gründe, warum Polygon besonders gut für NFT-Anwendungen geeignet ist
Wir identifizieren drei wesentliche Gründe dafür, dass Polygon besonders gut für die Entwicklung von NFT-Anwendungen geeignet ist:
Der Entwickler und Anbieter vereinfachter Tools, Biconomy, nutzt Meta-Transaktionen, um die Gas-Gebühren für Nutzer zu übernehmen und so die Erfahrung mit dezentralen Anwendungen (dApps) zu verbessern.
Im Bereich Kunst und Sammlerstücke sind die Prägegebühren („Minting Fees“) für NFTs auf Ethereum sehr hoch – bei vielen Anwendungen liegen sie über 100 USD. Auf Polygon hingegen betragen die Prägekosten nur etwa ein Prozent des Ethereum-Betrags, was die Einstiegshürde für Nutzer beim Kauf oder der Erstellung von NFTs deutlich senkt.
Polygon nutzt seine technologischen Stärken, um eine hohe Transaktionsgeschwindigkeit für Gaming-DApps zu gewährleisten: Im Schnitt dauert eine Transaktion weniger als eine Sekunde, was das Nutzererlebnis fast mit dem von Off-Chain-Spielen gleichzieht. Mit Transaktionskosten von etwa 0,00004 USD pro Vorgang löst Polygon das Problem hoher Kosten und langsamer Geschwindigkeit auf Ethereum – und eignet sich damit besonders für NFT-Spiele mit hohem Transaktionsaufkommen. Zudem ist Polygon EVM-kompatibel und unterstützt MetaMask.
2. DApps werden von Spielen dominiert
Die folgende Grafik zeigt das aktuelle NFT-Ökosystem von Polygon, bei dem rund 70 % der DApps Spiele sind. Zu den beliebtesten Anwendungen zählen das Geister-Sammelspiel Aavegotchi aus dem Ökosystem der führenden DeFi-Leihplattform Aave, die virtuelle Welt Decentral Games, das digitale Pferderennspiel ZED RUN, das Weltraumspiel 0xUniverse, die digitale Sammlerplattform Showcase, die Plattform zur Tokenisierung von Tweets (Tokenized Tweets), das Rennspiel F1 Delta Time des Spieleentwicklers Animoca, der führende NFT-Marktplatz OpenSea sowie die NFT-Fragmentierungsplattform Niftex. Polygon gilt derzeit als bevorzugte Settlement-Layer-Lösung für die meisten NFT-Projekte auf Ethereum, die auf Layer 2 migrieren. Darüber hinaus konnte Polygon auch prominente Persönlichkeiten gewinnen: So verkauften Jack Dorsey und Elon Musk ihre NFT-Tweets auf der von Polygon unterstützten Plattform Cent, während Mark Cuban die Plattform Tokenized Tweets nutzte, um Tweets als NFT zu prägen.
Quelle: Auf Basis von Dapp Radar zusammengestellt
3. Besonderes Projekt: Aavegotchi
Aavegotchi ist ein DeFi+NFT-Projekt innerhalb des Aave-Ökosystems: Spieler können aTokens staken, um Geist-NFTs („Aavegotchis“) zu erhalten – ein Sammelspiel mit integrierten DeFi-Funktionen. Wie in der untenstehenden Grafik zu sehen ist, verzeichnete Aavegotchi seit März 2021 täglich über 3.000 aktive Adressen und zählt damit zu den derzeit populärsten NFT-Spielen. Aavegotchi war eines der ersten Spiele, das von Ethereum auf Layer 2 migrierte. Die erste Ausgabe von 10.000 Aavegotchi-Portalen war bereits nach kurzer Zeit ausverkauft. Das Aavegotchi-Team motivierte Nutzer mit einer zweiwöchigen „Yield Farming“-Aktion mit GHST- und MATIC-Token zur Migration von Ethereum nach Polygon – dabei konnten Nutzer direkte Token-Belohnungen erhalten. Nach der Migration unterstützt Aavegotchi einen schnellen Transfer des Tokens GHST zwischen Ethereum und Polygon; zudem können Nutzer auf Polygon Spielgegenstände extrem kostengünstig kaufen, verkaufen und handeln.
Tägliche aktive Wallet-Adressen von Aavegotchi; Quelle: DappRadar
xDai Chain
Eine Sidechain von MakerDAO
xDai Chain ist eine von MakerDAO und dem POA Network gemeinsam entwickelte Ethereum-Sidechain. Sie ist vollständig EVM-kompatibel und verwendet dieselben Parameter wie die Ethereum-EVM. Zudem erfolgt die Synchronisation mit den Protokoll-Upgrades des Ethereum-Hauptnetzes, wodurch sämtliche Vermögenswerte und Nutzer nahtlos zwischen Ethereum und xDai Chain migriert werden können – und umgekehrt. Die Sidechain xDai weist folgende Merkmale auf:
Das TokenBridge-Protokoll ermöglicht den Vermögenswerttransfer zwischen Ethereum und xDai Chain: Bei der Freigabe von Vermögenswerten müssen Mehrfachsignierer („Multi-Signer“) auf der Sidechain unterschreiben. TokenBridge nutzt den Proof-of-Authority-(PoA)-Konsensmechanismus. Die Inhaber der PoA-Mehrheitsprivatschlüssel besitzen erhebliche Macht – was ein Risiko für böswillige Handlungen darstellt. Gleichzeitig beschleunigt jedoch der PoA-Mechanismus den Cross-Chain-Transfer und verbessert dadurch die Nutzererfahrung.
Das native Token der Chain, xDai, steht im festen Verhältnis 1:1 zum stabilen Ethereum-Token Dai und ist somit an den US-Dollar gebunden.
Zwei-Token-Governance-Modell: Neben dem Zahlungsmittel xDai existiert das vielseitige Governance-Token STAKE, dessen Inhaber an Netzwerk-Upgrades und Leistungsverbesserungen teilnehmen können.
xDai Chain verfügt über einen eigenen Konsensmechanismus namens POSDAO. Das Cross-Chain-Protokoll TokenBridge nutzt den PoA-Mechanismus – hierbei besitzen die Inhaber der PoA-Mehrheitsprivatschlüssel große Macht, was ein Risiko für böswillige Handlungen birgt; gleichzeitig beschleunigt der PoA-Mechanismus jedoch den Cross-Chain-Transfer und verbessert die Nutzererfahrung. Laut dem Blockchain-Explorer von xDai Chain gehören zu den Validatoren unter anderem POA Network, 1Hive und Gnosis.
Niedrige Gebühren und hohe Geschwindigkeit: Derzeit beträgt die Gas-Gebühr pro Transaktion auf xDai etwa 0,0002 USD; die Blockbestätigungszeit liegt bei ca. 5 Sekunden. Immer mehr DApps entscheiden sich für eine Migration nach xDai; einige Projekte migrieren lediglich bestimmte Funktionen – beispielsweise ausschließlich die Abstimmungsfunktion – sodass Community-Mitglieder bei extrem niedrigen Kosten bereitwilliger an Governance-Prozessen teilnehmen.
NFT-Ökosystem – vorwiegend Marktplätze
Die niedrigen Kosten und hohe Leistungsfähigkeit von xDai Chain machen sie zu einem der effektivsten „Überlaufkanäle“ („Spillovers“) außerhalb von Ethereum. Derzeit laufen auf xDai Chain knapp 100 DApps, verteilt über Infrastruktur, P2P-Zahlungen, DeFi, DAO-Governance, Analysetools und NFTs. Zu den repräsentativsten Projekten zählen Dune Analytics, Unique One, DeBank, Honeyswap, Perpetual Protocol und Dark Forest. Davon entfallen 20 % (19 Projekte) auf NFT-Anwendungen, wobei Marktplätze dominieren. Die folgende Tabelle zeigt das NFT-Ökosystem auf xDai Chain:
Die niedrigen Kosten und hohe Leistungsfähigkeit von xDai fördern NFT-Anwendungen stark: Als Beispiel dient die NFT-Prägeplattform Nifty.Ink – dort liegen die Prägekosten auf Ethereum bei über 70 USD, während sie auf der xDai-basierten Version von Nifty.Ink praktisch null betragen. Zudem können NFTs von xDai nahtlos und kostenfrei über TokenBridge nach Ethereum transferiert werden – d. h., NFTs, die auf Nifty.Ink geprägt wurden, können direkt auf OpenSea gehandelt werden.

Besonderes Projekt – Dark Forest
Der Name „Dark Forest“ leitet sich vom gleichnamigen Science-Fiction-Roman „Die dunkle Waldtheorie“ aus der „Drei-Körper“-Trilogie ab. Es handelt sich um ein Massively Multiplayer Online (MMO)-Weltraum-SF-Spiel, bei dem jeder Spieler zu Beginn einen eigenen Planeten an zufälliger Position erhält und durch die Eroberung weiterer Planeten seinen Sichtbereich und seine militärische Stärke ausbauen muss. Der wesentliche Unterschied zu anderen Eroberungs- und Explorations-Spielen besteht darin, dass Dark Forest mithilfe einer kompakten Zero-Knowledge-Beweis-Technologie (zkSNARK) die Bewegungswege der Spieler geheim hält – sodass alle Aktionen vollständig privat stattfinden. Konkret wissen Spieler in Dark Forest weder die militärische Stärke anderer Planeten noch deren Entfernung zu ihrem eigenen Planeten – was den Spielreiz erheblich steigert. Sowohl Vitalik Buterin als auch Matt Huang, Mitgründer von Paradigm, haben Dark Forest bereits öffentlich empfohlen.


In diesem Spiel muss für jede Bewegung eine Gas-Gebühr gezahlt werden; Spieler bewegen sich typischerweise mehrmals pro Minute – was auf Ethereum nicht realisierbar wäre: Erstens würde die Bewegungsgeschwindigkeit durch die Netzwerküberlastung verzögert, zweitens würden exorbitante Transaktionsgebühren anfallen. xDai Chain hilft den Spielern, diese Gebühren einzusparen und das Gesamterlebnis zu verbessern.
Seit der Version v3.0 im August 2020 wurde Dark Forest kontinuierlich aktualisiert und befindet sich mittlerweile in der Version v5.0. In der neuesten Version wurde ein spezielles Modul für Dark Forest-NFTs eingeführt, das durch die Eroberung des Universums freigeschaltet wird. Bereits im Oktober 2020 erfolgte mit der Version 4.0 die Migration von Ethereum nach xDai Chain. Offiziellen Angaben zufolge machte Dark Forest damals innerhalb weniger Tage bis zu 80 % des gesamten Transaktionsvolumens auf xDai aus – ein deutlicher Beleg für die enorme Popularität des Spiels. Nutzer benötigen keinerlei Kryptowährungsvermögen, um zu spielen: Jeder Nutzer erhält von der Plattform 0,05 USD xDai zur Deckung der Transaktionsgebühren; zudem erhalten die Top-15-Platzierten als Belohnung Dai-Token.
Ronin
Eine maßgeschneiderte Sidechain für Axie Infinity
Ronin ist eine maßgeschneiderte Ethereum-Sidechain, die vom Team Sky Mavis hinter dem beliebten Blockchain-Spiel Axie Infinity entwickelt wurde. Diese Sidechain nutzt den Proof-of-Authority-(PoA)-Konsensmechanismus – eine Art „aufgewertete“ Variante von Proof-of-Stake (PoS). Um Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten, ist die Anzahl der Validator-Knoten bei PoA üblicherweise auf maximal 25 begrenzt – weniger als bei PoS. Somit stellt Ronin unter PoA-Mechanismus in gewissem Sinne eine private Blockchain dar, die speziell für das Team Sky Mavis und das Spiel Axie Infinity optimiert ist.
Alle Validator-Knoten auf Ronin werden von Sky Mavis genehmigt und bestehen aus vertrauenswürdigen Partnern. Das Testnetz wurde am 23. Dezember 2020 gestartet; zu den ersten Validatoren gehörten der Spieleentwickler Ubisoft, Animoca und Nonfungible.com. Heute zählen neben DappRadar auch Binance zu den Validatoren. Ihre Hauptaufgaben umfassen das Schreiben und Validieren von Blöcken sowie die Verwaltung des Vermögenswerttransfers und -depots zwischen Ronin und Ethereum – inklusive ERC-20-Token und NFTs. Das Mainnet ging am 1. Februar 2021 live und startete zunächst mit der Migration von Land und darauf befindlichen Objekten aus Axie Infinity.
Vorteile
Wir sehen die folgenden Hauptvorteile von Ronin:
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Die Handelsgeschwindigkeit ist extrem hoch – Transaktionen werden nahezu in Echtzeit abgewickelt.
Die Transaktionskosten sind vernachlässigbar gering.
Axies können bei Bedarf frei zwischen Ethereum und Ronin übertragen werden.
Die Nutzererfahrung wurde erheblich verbessert.
Ronin wurde speziell für Axie Infinity entwickelt und passt sich daher optimal den komplexen, individuellen Anforderungen der Axie-Community an.
Das Ronin-Team ist identisch mit dem Axie Infinity-Entwicklungsteam; entsprechend widmet das Team der Leistungsfähigkeit von Ronin besondere Aufmerksamkeit.
Obwohl Ronin derzeit noch in einer frühen Entwicklungsphase steckt und außer Axie Infinity noch kein ausgereiftes NFT-Ökosystem aufgebaut hat, erklärte der CEO von Sky Mavis, dass sich das Team weiterhin intensiv mit der Skalierbarkeit von NFTs auf Ronin beschäftigen und nach effizienteren Lösungen – wie beispielsweise zkSync – suchen werde, um Ronin zu einer der leistungsfähigsten Skalierungslösungen für NFT-Spiele auszubauen.
Axie Infinity
Axie Infinity ist ein blockchainbasiertes Strategiespiel, bei dem Spieler NFT-basierte „Axie“-Kreaturen züchten, trainieren und in rundenbasierten Kämpfen einsetzen können – vergleichbar mit Pokémon Go. Das Governance-Token ist AXS. Spieler können durch die Zucht von Axies das Token Small Love Potions (SLP) verdienen oder Axies über OpenSea kaufen und verkaufen.
Bislang erreichte Axie Infinity ein Handelsvolumen von fast 20 Millionen US-Dollar; die Zahl aktiver Nutzer lag Ende 2020 bei über 3.000 – sowohl beim Handelsvolumen als auch in der Beliebtheit zählt Axie Infinity damit zu den führenden Blockchain-Spielen. Zu Beginn des Jahres 2021 sank die Nutzerzahl jedoch infolge der starken Überlastung des Ethereum-Netzwerks und der damit verbundenen drastisch gestiegenen Gas-Gebühren: Im Januar 2021 betrug die durchschnittliche Anzahl aktiver Nutzer nur noch 523. Daraufhin begann das Axie Infinity-Team unverzüglich mit der Entwicklung von Ronin und der Migration der Vermögenswerte.
Quelle: DappRadarNach dem Start des Ronin-Mainnets im Februar wurden zunächst die Grundstücke („Land“) und darauf befindlichen Gegenstände aus Axie Infinity nach Ronin migriert. Die Migration erfolgte durch das Sky Mavis-Team; interessierte Nutzer konnten ihre Vermögenswerte aber auch selbst übertragen. Nutzer, die die Migration vor dem 1. März abschlossen, erhielten als Belohnung neue Gegenstände für ihr Land in Axie Infinity. Das Team bestätigte, dass Ronin sich derzeit in Phase Eins der Migration befindet – es werden also ausschließlich ETH-Einzahlungen und -Auszahlungen sowie die Migration von Land und zugehörigen Gegenständen unterstützt. In Phase Zwei folgen dann unter anderem das Staking von AXS-Token auf Ronin, ein Reset und Upgrade aller mit Axie Infinity verbundenen Smart Contracts sowie die vollständige Migration aller Axie-NFTs nach Ronin.
Layer-2-Skalierungslösungen
Immutable X
Eingeführt vom Entwicklerteam von Gods Unchained
Immutable X ist eine Skalierungslösung für Ethereum-basierte NFT-Projekte, die gemeinsam von Immutable – dem Entwickler des bekannten Blockchain-Kartenspiels Gods Unchained – und StarkWare, einem Unternehmen für Zero-Knowledge-Beweise, entwickelt wurde. Der australische Spieleentwickler Immutable erhielt 2019 eine Investition von 15 Millionen US-Dollar von Institutionen wie Naspers, Galaxy Digital und Apex Capital. Immutable X nutzt Zero-Knowledge-Beweise und erreicht eine Transaktionsrate (TPS) von bis zu 9.000 bei praktisch vernachlässigbaren Gas-Gebühren – weshalb diese Lösung zunehmend von NFT-Spielen bevorzugt wird.
Skalierungslösung – ZK Rollup
Immutable X setzt auf die ZK-Rollup-Technologie. Dabei werden tausende Transaktionen zu einer einzigen Transaktion gebündelt und mittels SNARK-Zero-Knowledge-Beweisen verifiziert; die Validierung erfolgt durch einen Rollup-Vertrag auf der Hauptchain. Dadurch erreichen alle Transaktionen direkt das Sicherheitsniveau von Ethereum. ZK-Rollups ermöglichen derzeit mehrere Tausend Transaktionen pro Sekunde, wobei die Durchsatzkapazität künftig weiter gesteigert werden kann. Zudem sind die Transaktionsgebühren äußerst niedrig; im Vergleich zu Optimistic Rollup und Plasma bietet ZK-Rollup höhere Geschwindigkeit, da keine Fraud Proofs und Wartezeiten erforderlich sind. Eine Herausforderung bei ZK-Rollup besteht jedoch in seiner eingeschränkten Funktionalität (z. B. nur Überweisungen und einfache Trades). Hier arbeitet StarkWare an CAIRO, einer Technologie, die Flexibilität und allgemeine Berechnungsfähigkeit für ZK-Rollups ermöglichen soll.
Die Vorteile von Immutable X mit ZK-Rollup sind folgende:
Hoher Durchsatz und hohe Geschwindigkeit: Bis zu über 200 Millionen Transaktionen pro Tag bzw. bis zu 9.000 Transaktionen pro Sekunde – im Vergleich zu etwa 13–14 TPS auf Ethereum. Kauf- und Verkaufsprozesse laufen in Echtzeit ab.
Gas-Gebühren sind drastisch gesenkt: Die Gebühren für Präge- oder Handelsvorgänge liegen praktisch bei Null.
Kein natives Token; Unterstützung sowohl für ERC-721- als auch für ERC-20-Tokens.
NFT-Ökosystem – Spielorientiert
Zu den wichtigsten NFT-Projekten, die derzeit Immutable X als Layer-2-Skalierungslösung integrieren, zählen das Kartenspiel Gods Unchained, die NFT-Plattform Mintable, das DeFi+NFT-Projekt SuperfarmDAO, das Sammelkartenspiel Epics.GG, das Monster-Kampfspiel Illuvium, der Spieleentwickler Lucid Sight (mit Titeln wie MLB Champions Baseball und Crypto Space Commander), das bewaffnete Kampfspiel War Riders sowie das virtuelle Welten-Kampfspiel Guild of Guardians. Am 1. April kündigte OpenSea offiziell die Integration von Immutable X an. Insgesamt dominieren Spieleprojekte die Auswahl an Projekten, die Immutable X als Skalierungslösung nutzen – wobei Gods Unchained am bekanntesten und repräsentativsten ist.
Exklusives Projekt: Gods Unchained
Gods Unchained ist das weltweit erste blockchainbasierte E-Sport-Spiel, das von Immutable entwickelt wurde. Es handelt sich um ein kryptografisches, rundenbasiertes Fantasy-Kartenspiel im Stil von „Hearthstone“ und „The Elder Scrolls“, dessen Karten auf OpenSea gehandelt werden können. Je nach Seltenheitsgrad variieren deren Marktwerte. Gods Unchained gehört derzeit zu den beliebtesten NFT-Spielen weltweit: Laut nongungible.com belief sich das kumulierte Handelsvolumen bislang auf rund 20 Millionen US-Dollar bei über 560.000 verkauften Einheiten. Darüber hinaus enthält laut dem Auditbericht von nonfungible vom Januar 2021 das Vault des Social-Token-Projekts Whale insgesamt 237 Gods-Unchained-NFT-Karten – was 2 % des gesamten Vault-Volumens entspricht und einen Gesamtwert von ca. 240.000 US-Dollar darstellt (entspricht 4 % des Vault-Werts).

Quelle: nonfungible.comAm 22. März kündigte Gods Unchained offiziell die Verbindung mit Immutable X an – als erste DApp, die Immutable X als Layer-2-Lösung nutzt. Nutzer können ihre Wallets mit Immutable X verbinden, um kostengünstig und schnell Transaktionen durchzuführen. Am 9. April verkündete Immutable X, dass die Gods-Unchained-Community innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Mainnet-Start über 410.000 US-Dollar an Gas-Gebühren eingespart habe.
Wertbetrachtung der drei Lösungen
Jede Lösung hat Vor- und Nachteile
Wir sind der Ansicht, dass es für die NFT-Grundlageninfrastruktur – bestehend aus Public Chains, Sidechains und Layer-2-Projekten – keine absolut perfekte Lösung geben wird. Stattdessen wählen verschiedene Anwendungen je nach ihren konkreten Projektanforderungen und Gegebenheiten die jeweils passendste Option. Die charakteristischen Merkmale und Einsatzgebiete der drei Skalierungskategorien im NFT-Bereich sind wie folgt:
Public Chain: Der Vorteil einer Public Chain liegt darin, dass Entwickler lediglich ihre bestehende Entwicklungsumgebung anpassen müssen und nicht mit Cross-Chain- oder Asynchronitätsproblemen gegenüber der Ethereum-Hauptchain konfrontiert sind. Der Nachteil besteht darin, dass hochspezialisierte Knoten zur Bewältigung der Arbeitslast auf der Basisschicht erforderlich sind, was möglicherweise zu Kompromissen bei der Dezentralisierung führt. Im NFT-Bereich gibt es grundsätzlich kaum Einschränkungen hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten; entscheidend sind jedoch der Zustand des Ökosystems und die Aktivität der Community.
Sidechain: Die Implementierung von DApps auf einer Sidechain erfolgt schnell und kostengünstig. Allerdings birgt sie Sicherheitsrisiken: Im Vergleich zur Hauptchain verfügt eine Sidechain über geringere Rechenleistung und Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung eines robusten Konsensmechanismus, wodurch sie anfälliger für Angriffe ist. Sie eignet sich daher besonders für Projekte mit vielen kleinen, häufigen Transaktionen, bei denen eine gewisse Sicherheitseinschränkung akzeptabel ist – z. B. NFT-Marktplätze oder Spiele.
Layer-2-Lösung: Layer-2-Lösungen sind eng mit der Ethereum-Hauptchain verbunden und können somit die etablierte Finanzinfrastruktur von Ethereum optimal nutzen. Die Nachteile variieren jedoch je nach verwendeter Layer-2-Technologie (z. B. zk-Rollup, Optimistic Rollup). Sie eignen sich besonders für NFT-Projekte, die bereits erfolgreich auf Ethereum laufen und lediglich bestimmte Funktionen oder Prozesse migrieren möchten – beispielsweise ausschließlich Abstimmungsmechanismen.
Ausblick und Engpässe
Nutzung der Tokenökonomie
Ob neu geschaffene L1-Public-Chains, Sidechains oder Layer-2-Lösungen – für jede Infrastruktur ist die Ausgabe eines Tokens zur Governance, zur Anreizsetzung für Knotenbetreiber sowie zur Förderung einer lebendigen Community und eines stabilen Ökosystems von großer Bedeutung. Dies gilt sowohl für DeFi als auch für NFTs. Insbesondere im NFT-Bereich spielen Ökosystem und Community eine zentrale Rolle; Token fungieren hier als wirksames Anreizinstrument, um die Beteiligung und Motivation der Teilnehmer zu steigern – beispielsweise FLOW, NEAR oder MATIC. Für Investoren stellen Governance-Tokens von Infrastrukturprojekten zudem eine attraktive Anlagemöglichkeit dar.
Maßgeschneiderte Grundlageninfrastruktur wird zum Standard
Nach dem Vorbild von Immutable X für Gods Unchained und Ronin für Axie Infinity werden in Zukunft wohl immer mehr namhafte Projekte eigene, maßgeschneiderte NFT-Infrastrukturen entwickeln, um ihre spezifischen Anforderungen zu erfüllen. Diese Entwicklung wird sich nicht nur auf Projektteams beschränken: Auch IP-Inhaber könnten eigene, dedizierte Infrastrukturen aufbauen, um exklusiv ihre NFT-Produkte zu launchen und so umfassende Ökosysteme zu schaffen. Mit der Weiterentwicklung dieser Infrastrukturen und der stetigen Erweiterung um neue Funktionen werden jedoch zunehmend weitere Anwendungen angezogen und integriert – wodurch sie ihren ursprünglichen Charakter als reine „Private Chain“ allmählich verlieren.
Skalierung durch zunehmende Kombination von L1- und L2-Lösungen
Bei Skalierungslösungen ist es äußerst schwierig, Dezentralisierung, Sicherheit und Durchsatz gleichermaßen zu optimieren; manche halten diese drei Faktoren sogar für ein unlösbares „Dreieck“. Dies wurde in zahlreichen Artikeln zu verschiedenen Skalierungskonzepten bereits ausführlich diskutiert. Wir gehen daher davon aus, dass es im NFT-Bereich langfristig keinen einzigen „perfekten“ Gewinner geben wird. Stattdessen werden sich L1- und L2-Ansätze zunehmend ergänzen. Ein gutes Beispiel ist Polygon, das Plasma- und Rollup-Technologien sowie PoS-basierte Sidechains kombiniert, um unterschiedlichen Entwickleranforderungen gerecht zu werden.
Interoperabilität zwischen Skalierungslösungen bleibt eine offene Herausforderung
Wie erwähnt, wird die Kombination aus L1- und L2-Lösungen ein zentraler Trend sein. Es ist zudem wahrscheinlich, dass DApps künftig verschiedene Funktionen auf unterschiedliche Skalierungslösungen verteilen. Daher wird die Entwicklung interoperabler Brücken zwischen diesen Ansätzen ein wichtiges Zukunftsfeld sein. Ein Vorreiter ist OpenSea: Die Plattform integriert mehrere Skalierungslösungen wie Flow, Polygon und Immutable X, wobei unterschiedliche Funktionen auf verschiedenen Plattformen laufen. Für eine einzelne DApp bedeutet dies, dass die nahtlose Interaktion zwischen verschiedenen Skalierungslösungen und die damit verbundene Benutzererfahrung künftig entscheidend sein werden.
Bewertung von NFT-Infrastrukturen: Technologie, Ökosystem, Team und Investoren
Technologische Stärken
Für eine NFT-Infrastruktur bilden technologische Vorteile die Grundlage ihres Überlebens und sind in der Frühphase der wichtigste Bewertungsfaktor. Ob eine Infrastruktur durch technologische Überlegenheit Durchsatzprobleme lösen und die Nutzererfahrung verbessern kann, ist für NFT-DApps ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl einer Migrationslösung. Hochwertige Lösungen wie Flow, Near und Polygon zeichnen sich jeweils durch einzigartige technologische Stärken aus. Die technologische Qualität eines Netzwerks lässt sich anhand des Projekt-Whitepapers und externer Medienbewertungen einschätzen.
Reife des Ökosystems
Neben der Technologie ist die Qualität des Ökosystems einer NFT-Infrastruktur der entscheidende Faktor für deren langfristiges Überleben und Wachstum – Ethereum ist hier das beste Beispiel. Zur Bewertung der Ökosystemqualität zählen vor allem die Anzahl und Qualität der DApps sowie die Akkumulation von IP-Ressourcen.
Anzahl und Qualität von NFT-DApps: Die Anzahl der NFT-DApps ist leicht nachvollziehbar – Nutzer können Datenplattformen wie DappRadar oder die offiziellen Projekt-Websites konsultieren. Zur Beurteilung der Qualität dienen Kennzahlen wie aktive Nutzerzahlen, Handelsvolumen, Community-Aktivität und externe Bewertungen. Eine solche Analyse gibt wichtige Hinweise darauf, ob ein Netzwerk für den Aufbau neuer NFT-Projekte geeignet ist.
Akkumulation von IP-Ressourcen: Ein wesentlicher Unterschied zwischen NFTs und DeFi liegt darin, dass NFTs häufig reale Werte und Interessen abbilden – Unterhaltung, soziale Interaktion und Marktplatz-Aspekte spielen eine größere Rolle. Hochwertige IP-Rechte können einem Projekt enormen Traffic bescheren und so eine Verknüpfung von Aufmerksamkeit und Kapital sicherstellen, was eine breite Zielgruppe gewährleistet. Daher ist die Akkumulation von IP-Ressourcen im Wettbewerb der NFT-Public-Chains von zentraler Bedeutung – Flow liefert hier ein gutes Beispiel.
Team-Hintergrund und beteiligte Investoren
Nutzer sollten auch den Hintergrund des Entwicklungsteams hinter einer NFT-Infrastruktur prüfen – etwa ob es bereits erfolgreiche, bekannte Projekte wie CryptoKitties (Dapper Labs) oder Gods Unchained (Immutable) umgesetzt hat und wie tief das Team im NFT-Bereich verwurzelt ist. Zudem bieten die Entscheidungen großer Venture-Capital-Firmen wertvolle Orientierung. Investoren wie a16z, Coinbase Ventures, DCG, USV, Coin Fund oder Venrock setzen auf fundierte Due Diligence – ihre Beteiligungen können daher als zusätzliches Bewertungskriterium dienen.
